FFH-Monitor Fauna, Flora und Habitate beobachten

Über das Fledermausprojekt

Das Fledermausprojekt ist ein Vorhaben der Bürgerinitiative „Rettet den Wollenberg“ e.V., das von freiwilligem und unentgeltlich geleistetem Engagement lebt.

Das Fledermausvorkommen im Wollenberg

Der Wollenberg liegt in einem nach Natura 2000 ausgewiesenem FFH-Gebiet, „Lahnhänge zwischen Biedenkopf und Marburg“ (DE 5017-305) und ist ein in vielerlei Hinsicht schützenswertes Waldgebiet. Der Wald im Wollenberg ist ein Lebensraum für eine erstaunlich reiche Artenvielfalt. Er bietet Lebensbedingungen für zum Teil stark gefährdete und vom Aussterben bedrohte wildlebende Tiere und Pflanzen.

Diese Vielfalt von Fauna und Flora ist durch Eingriffe in die Lebensräume gefährdet und geht mit einem Rückgang vieler Pflanzen- und Tierarten einher. Dazu gehören insbesondere auch die sensiblen Fledermausarten, die artspezifische und teilweise ganz unterschiedliche Lebensbedingungen benötigen.

Fledermäuse als Bio-Indikator

Fledertiere haben hohe Ansprüchen an ihre Lebensräume und reagieren sehr empfindlich auf deren Veränderungen. Für die vielfältigen Quartiere benötigen die unterschiedlichen Fledermaus-Arten Lebensraumtypen mit ausreichenden Hangplatzangeboten (wie z.B. alte Buchenbestände mit Spechthöhlen, Totholz, Spalten, ...) und für die Jagdhabitate ist eine strukturelle Diversität unerlässlich (Wälder, Gehölze, Tümpel, naturbelassene Wasserläufe, ...).

Strukturreiche Habitate sind auch deshalb wichtig, weil Hindernisse in der Landschaft die Ultraschall-Echoortung überhaupt erst ermöglichen. Fledermäuse sind für ihre Flugrouten auf Waldränder und Waldinnensäume angewiesen.

Fledermäuse sind bezüglich ihrer Ernährung auf ausreichend dichte Insektenbestände angewiesen, welche sich nicht ohne eine reiche und gesunde Pflanzenvielfalt entwickeln können. Das Fledermausvorkommen und die Diversität an Fledermausarten sind daher besondere Indikatoren für die Beschaffenheit des gesamten Ökosystems.

Zu den aktuellen Gefährdungen der Fledermäuse, siehe Fledertiere in Not.

Ziele der Untersuchungen

Fledermäuse führen für die meisten Menschen ein recht heimliches Leben. Bis auf eine gelegentliche Begegnung in der abendlichen Dämmerung sind sie bei völliger Dunkelheit für den Beobachter komplett unsichtbar und scheinbar lautlos unterwegs. Doch unter Zuhilfenahme technischer Geräte ist es möglich, die für uns Menschen unhörbaren Ultraschallrufe der Fledermäuse hörbar zu machen, aufzunehmen und Geländekartierungen zu erstellen. Letztendlich kann man die Rufe im Nachgang auch analysieren, um die Fledermausgattung und in manchen Fällen sogar auch die Fledermausart zu bestimmen.

Die Untersuchungen sollen einen Überblick über das Fledermausvorkommen im Wollenberg geben. Das Ziel ist es, ein Bild von der Nutzung der unterschiedlichen Waldhabitate zu bekommen. Die methodische Vorgehensweise soll durch ein längerfristiges Monitoring einen Datenvergleich der Fledermausvorkommen ermöglichen.

Die Datenerfassungen und die Ergebnisse aus den Untersuchungen sollten mit anderen Flora- und Faunabeobachtungen im Untersuchungsgebiet korreliert werden, um Erkenntnisse über die Entwicklung der Habitate und über die Biodiversität insgesamt zu erhalten.

Schließlich sollen alle Rohdaten und Ergebnisse transparent gemacht und nachvollziehbar veröffentlicht werden.

Das Untersuchungsgebiet

Der Wollenberg liegt im gemäß dem europäischen Schutzgebietssystem „Natura 2000“ ausgewiesene FFH-Gebiet „Lahnhänge zwischen Biedenkopf und Marburg“ (DE 5017-305).

Standorte akustischer Fledermauserfassungen im FFH-Gebiet (rote Kreise)

Standorte akustischer Fledermauserfassungen im FFH-Gebiet (rote Kreise).
Quelle: Regierungspräsidium Gießen, HLNUG / Kartenmaterial: TK 1:100 © GeoBasis-DE / BKG 2013

Die allermeisten Erfassungen wurden am Wollenberg durchgeführt (großer Kreis). Im südlichen Teil des FFH-Gebiets entstanden bei Allendorf (kleiner Kreis) einige interessante Aufnahmen.

Fledermaushabitate im FFH-Gebiet

Zahlreiche alte Laubmischwälder im Untersuchungsgebiet sind Habitate für im Wald lebende und jagende Fledermaus-Arten und bieten den Tieren Höhlenbäume, Totholz und natürliche Spaltenquartiere.

Darüber hinaus sind im Gebiet zahlreiche Waldränder und Waldinnensäume sowie Gehölzstrukturen und naturbelassene Bachläufe im Offenland vorhanden. Solche Strukturen werden im und am Wollenberg intensiv von Fledermäusen für die lokale Flugrouten und für die Jagd genutzt.

Weitergehende Informationen über Natura 2000, das FFH-Gebiet und seine Schutzziele zum Erhalt der Artenvielfalt finden sich im Internet, u.a. unter folgender Adresse: www.ffh-gebiete.de

Die FFH Lebensraumtypen (LRT)

Der Wollenberg mit seinen FFH-Lebensraumtypen (LRT)

Der Wollenberg mit seinen FFH-Lebensraumtypen (LRT)
Quelle: Grunddatenerhebung im FFH-Gebiet 5017-305, RP Gießen, Simon & Widdig GbR, 2009

Im Bereich des Wollenbergs sind Areale des Wald-Lebensraums Hainsimsen-Buchenwald (LRT 9110) und Wald-Lebensraums des Typs Waldmeister-Buchenwald (LRT 9130) nach Anhang I der Habitatrichtlinie ausgewiesen. Dabei handelt es sich um ca.120 ha. mit den Wertstufen des Erhaltungszustands B (gut) und C (mittel bis schlecht).

Detektor-Begehungen

Im Wollenberg wurden im Juli und im August 2016 methodische und großflächige akustische Erfassungen mit Ultraschall-Detektoren und Aufnahmegeräten durchgeführt.

Trassen für systematische und großflächige Detektor-Begehungen

Trassen für systematische und großflächige Detektor-Begehungen

Stationäre Erfassungen

Im Wollenberg

Stationäre Beobachtungen wurden in der Zeit von April bis Oktober 2016 an einem Teich durchgeführt. Der Teich liegt im Wald an den größten, nach der FFH Richtlinie ausgewiesenen, Lebensraumtypen und stellt als Kleingewässer, mit einer Lichtung und Unterholz an den Ufern, ein geeignetes Jagdhabitat vieler Fledermaus-Arten da.

Teich im Wollenberg, Jagdhabitat für Fledermäuse

Teich im Wollenberg, Jagdhabitat für Fledermäuse

Als zweiter Messpunkt wurde im gleichen Zeitraum der südwestliche Waldrand des Wollenbergs gewählt. Dort trennt ein etwa 150 Meter breiter Streifen Grünland den Wollenberg vom Heimbergskopf und bietet Gehölz-Strukturen und einen Bachlauf. Es wurden dort Transfer- und Flugrouten an den jeweiligen Waldsäumen und entlang des Bachs vermutet. Die Fläche liegt ebenfalls an ausgewiesenen FFH Lebensraumtypen.

In Warzenbach

Das Dorf Warzenbach ist der Wohnort des Autors und liegt am Untersuchungsgebiet. Auf dem Hin- und Rückweg zu den Waldbeobachtungen im Wollenberg entstanden immer wieder interessante und zufällige Aufnahmen von Fledermausrufen. Darüber hinaus wird der Lauf des Warzenbachs im umliegenden Grünland regelmäßig mit Fledermaus-Detektor und Aufnahmegeräten begangen.

Stationäre Erfassungen am Wollenberg

Stationäre Erfassungen am Wollenberg

In Allendorf

Im Rahmen einer Astronomie-Veranstaltung wurden Anfang September am Sportplatz in einer Nacht auch in Allendorf akustische Erfassungen durchgeführt. Der Ort liegt am südlichen Lahnhang im Gebiet unweit von Elmshausen, wo eine bekannte Mopsfledermauskolonie zuhause ist. Ähnlich wie am Waldrand am Wollenberg wurden am Standort Transfer- und Flugrouten vermutet.

Aktualisiert am 2021-03-29 20:19:39.916734+00:00 - Inhalte unter Creative Commons BY 4.0 Lizens wenn nicht anders angegeben - Seiten erstellt mit MkDocs. Impressum / Datenschutzerklärung / Haftungsausschluss